Österreichische Röstmeisterschaften – 1.Platz

Von 01.-03.Oktober 2019 fand in Grafenegg die erste österreichische Röstmeisterschaft, organisiert von der SCA-Austria (Specialty Coffee Association) statt. Felix hat gewonnen und darf nun von 14. bis 18. November bei der Weltmeisterschaft in Taipei zeigen was er kann.

Wie das abgelaufen ist erzählt er am Besten selbst, aber Achtung, jetzt wird’s etwas länger. Hier sein Bericht:

Als ich online den Flyer für die Röstmeisterschaft gesehen habe, habe ich mich sofort angemeldet, denn da stand begrenzte Teilnehmeranzahl. Warum? Ganz einfach, es gab nur eine Röstmaschine die zur Verfügung gestellt wurde. Jeder Teilnehmer muss nach Reglement die Möglichkeit haben 30min auf dieser Maschine zu trainieren und am nächsten Tag im Wettbewerb 30min zu rösten.  Daneben gibt es noch zwei weitere Punkte die erfüllt werden müssen wie etwa Proberösten und Green Grading (Sortieren von Rohkaffee). Verständlich also, dass hier die Plätze limitiert waren. Der Aufwand der für eine Röstmeisterschaft betrieben werden muss ist gewaltig und deshalb möchte ich gleich an dieser Stelle den Organisatoren samt Team und Volunteers von der La Cultura Del Caffé in Krems (La Cimbali-, Faema-, Slayer- Espressomaschinen) großen Dank dafür aussprechen. Ebenso den Sponsoren BWT (Best Water Technologie) und Cropster (Röstsoftware made in Austria), Kaffeeagentur (Genio Intelligent Roasters) und Inter American Coffee (Rohkaffeehändler)  sowie der großartigen Jury bestehend aus Johanna Wechselberger (die Rösterin)  John Arild Stubberud (Kaffeealchemie), Rob Ward (Mumac London), Paul Steinvorth (Inter American Coffee) und Benjamin Graf (Mumac Krems)

Ich hatte mich also rechtzeitig angemeldet und hatte wie die meisten von uns wenig Ahnung was da auf uns zukam. „Steht aber alles in den Regeln“ heißt es da dann immer.  Also hieß es erst mal studieren oder einfach mal mit den anderen TeilnehmerInnen drüber sprechen. Das sollte vielleicht auch noch mal extra erwähnt werden. Das gesamte Teilnehmerfeld, alle Kolleginnen und Kollegen waren wirklich tolle „Gegner“. Da es für uns alle das erste Mal war tauschten wir uns im Vorfeld und auch zwischendurch gerne mal aus und es gab keinerlei Anfeindungen. Echt eine tolle Truppe.

So aber worum ging es denn eigentlich?  

Röstmeisterschaft Tag1

Man bekommt genau 350g Competition-Rohkaffee den man noch nie gesehen hat und hat 30min Zeit diesen im Proberöster zu rösten. Man bekommt außerdem 6kg Trainingskaffee und hat 30min Zeit diesen in beliebiger Chargengröße auf der großen Maschine zu rösten. Dabei gilt es die Maschine mal kennen zu lernen. Die Proberöstungen und den gerösteten Trainingskaffee kann man dann noch verkosten um sich ein sensorisches Bild zu machen.

Röstmeisterschaft Tag2

Es gilt einen Röstplan zu erstellen und in der Früh abzugeben. Dort trägt man zum Beispiel ein bei welcher Temperatur man den Kaffee einwirft, bei welcher er wieder rauskommen soll und wie er am Ende schmecken wird. Klingt einfach? Ist es nicht! Normalerweise probiere ich schon mal bis zu mehreren Wochen herum bis ein Kaffee wirklich passt. Aber eine Meisterschaft sieht eben anders aus. Zweite Station an diesem Tag ist das Green Grading. Man bekommt 350g des Competition Rohkaffees und hat 30min Zeit seine Feuchtigkeit, die Bohnengröße, die Farbe, den Geruch und die Dichte zu bestimmen. Vom Jurorenteam wurde der Kaffee ausserdem mit Defekten versetzt. Die gilt es zu finden. Das können Insektenfraß, Verwitterung, Beschädigung, Fremdkörper, Verfärbungen und vieles mehr sein. Steht ja alles in den Regeln und eigentlich hätte ich das auch schon super drauf haben sollen weil ich ja heuer auch den Q-Grader (Beitrag folgt in Kürze) bestanden habe. Trotzdem hab ich beim Green Grading die meisten Punkte liegen lassen wie sich später herausstellte.

Röstmeisterschaft Tag3

Am dritten Tag haben die Röster nichts mehr zu tun außer zu zittern und sie dürfen in einer Blindverkostung alle Teilnehmer Röstungen verkosten. Die international besetzte Jury verkostet und verkostet und verkostet, addiert und subtrahiert und am Ende gibts dann ein offizielles Ergebnis. Und das war haarscharf!

Ich hatte bis zum Rösten eigentlich noch gar kein Gefühl außer ein bisschen Wettbewerbsnervosität. Beim Rösten passierte mir dann aber ein kleiner Fehler und ich dachte danach: „Das wars jetzt.“ Und das hatte eine ganz angenehm -entspannende Wirkung auf mich. Der Druck war weg und ich brauchte nur noch gespannt abwarten wer das Rennen denn gemacht hatte. Am dritten Tag beim Cupping suchte ich nach dem Kaffee der meiner Meinung nach am ehesten meiner Röstung entsprach und das war nicht leicht. Da gabs mehrere Kandidaten. Das hat das ganze dann doch wieder spannend gemacht und ich dachte mir da könnte sich vielleicht gutes Mittelfeld oder sogar ein Stockerlplatz ausgehen. Bei der Siegerehrung war ich dann schon ziemlich nervös und konnte es wirklich wirklich wirklich nicht glauben als   ich dann plötzlich als Sieger feststand. Es war wirklich knapp! Nur 2Punkte trennten uns am Stockerl. Die Freude ist natürlich unsagbar groß und jetzt heißt es: trainieren trainieren trainieren! In nicht ganz 4Wochen gehts nach Taipei zur Weltmeisterschaft und mein Puls steigt. Dankenswerterweise hat sich mein lieber Kollege Oliver Götz von Alt Wien Kaffee (Austrian Cuptasting Champion 2019) dazu bereit erklärt mich als Coach zu begleiten. 

Achja, der wunderbare Meister Eder von der Filmschreinerei hat mich am letzten Tag der Meisterschaft mit der Kamera begleitet und ein kurzes Video dazu geschnitten: